Empfehlungen zum Einsatz der KI-Dienste in der Schule
Die KI-Dienste von Schabi können Lehrpersonen im Schulalltag erheblich entlasten, zum Beispiel beim Vorbereiten von Unterricht, beim Differenzieren von Aufgaben, beim Formulieren von Rückmeldungen oder beim Erstellen von Erklärungen und Beispielen. Gleichzeitig gilt: KI-generierte Inhalte sind nicht automatisch korrekt. Damit der Einsatz im Unterricht sicher und sinnvoll bleibt, empfehlen wir folgende Grundsätze.
KI als hilfreiches Werkzeug, nicht als Autorität
KI kann sehr schnell brauchbare Vorschläge liefern. Sie kann aber auch:
- Fakten falsch wiedergeben oder Quellen frei erfinden
- Rechen- und Logikfehler machen
- Inhalte verallgemeinern, verzerren oder missverstehen
- je nach Formulierung der Anfrage sehr unterschiedliche Resultate liefern
Empfehlung: Nutze KI als Entwurf, Ideengeber oder Formulierungshilfe und entscheide als Lehrperson, was davon fachlich und pädagogisch passt. Prüfe KI-Inhalte immer, bevor du sie im Unterricht einsetzt oder weitergibst
Einsatz mit Schülerinnen und Schülern: nur gezielt und pädagogisch begründet
Schabi ist so konzipiert, dass Schüler:innen grundsätzlich keinen direkten Zugriff auf die KI-Dienste haben.
Ein Zugriff ist nur möglich im Rahmen eines KI-Projekts, bei dem Lehrpersonen den Lernenden ausgewählte Funktionen (z.B. Zugriff auf einen bestimmten Bot) für einen bestimmten Zeitraum gezielt freischalten. Dies sollte immer aus einer pädagogischen Überlegung heraus geschehen (z.B. Medienkompetenz, Schreibprozess, Ideenfindung, Reflexion, Sprachunterstützung).
Der Einsatz sollte bei jüngeren Schüler:innen immer begleitet erfolgen.
Empfehlungen für KI-Projekte:
- Definiere Ziel und Grenzen (Wofür darf die KI genutzt werden? Wofür nicht?)
- Lege fest, welche Funktionen freigegeben sind (und welche bewusst nicht)
- Vereinbare Transparenzregeln (z.B. Kennzeichnung: „Dieser Abschnitt wurde mit KI überarbeitet“)
- Nutze KI als Anlass, um kritisches Denken zu trainieren: Fehler finden / Aussagen belegen / Alternativen vergleichen / Bias und Perspektiven erkennen
Filter helfen – aber sie sind kein Garant
Schabi setzt verschiedene Schutzmechanismen und Filter ein, um unpassende oder unzulässige Inhalte zu unterbinden. Trotzdem gilt:
- Filter sind nicht unfehlbar
- Inhalte können durchrutschen
- Schutzmechanismen lassen sich teilweise durch geschicktes Nachfragen, Umformulierungen oder Schritt-für-Schritt-Anfragen aushebeln
Wichtig: Verlasse dich nicht blindlings auf Filter. Plane KI-Projekte so, dass sie begleitet und didaktisch gerahmt sind.
Verantwortung und Rolle der Lehrperson
Die KI liefert Vorschläge, die Verantwortung für Auswahl, Einsatz und Wirkung im Unterricht bleibt bei der Lehrperson bzw. der Schule.
Schabis Standpunkt
Ein wissenschaftlicher Bericht aus Deutschland (Link) untersuchte 2024 "Large Language Models und ihre Potenziale im Bildungssystem". Eine der Schlussfolgerungen lautete:
Der Einsatz von LLM sollte angepasst an die Bildungsetappen erfolgen. In der Grundschule und zu Beginn der Sekundarstufe I sollte weitgehend auf LLM verzichtet werden. Stattdessen sollte der systematische Aufbau von basalen Lese- und Schreibkompetenzen fokussiert werden, die den gesamten Schreibprozess, d. h. die rekursiv-iterative Planung, Erstellung und Revision von Texten systematisch berücksichtigen. Analoges Schreiben ist Aufgabe aller Fächer, um den fachspezifischen Aufbau von Wissen und Kompetenzen zu unterstützen. Im Laufe der Sekundarstufe I können zunehmend digitale Tools zur Erstellung von Texten eingesetzt werden, die Verwendung von LLM sollte in den ersten Jahren nur sehr eng begleitet erfolgen. Ab der achten Jahrgangsstufe ist ein regelmäßiger Einsatz von LLM als Schreibunterstützung in allen schulischen Fächern, in denen schriftlichen Leistungen erbracht werden müssen, zu erwägen.
Schabi ist absolut einverstanden, dass in der Primarschule (und auch noch in der Sek) primär auf die basalen Lese- und Schreibkompetenzen fokussiert werden soll. Daraus folgt jedoch nicht, dass KI-Dienste im Unterricht grundsätzlich zu vermeiden sind. Entscheidend ist nicht die Präsenz eines LLM (= KI-Sprachmodell), sondern seine didaktische Funktion: LLM sollten nicht als Schreib-Ersatz eingesetzt werden, können aber als Lern- und Übungsinstrument gerade jene Kompetenzen fördern, die als zentral gelten.
Richtig eingesetzt ermöglichen KI-gestützte Lernsettings, die bisher nur schwer oder gar nicht realisierbar waren: Schüler:innen können beispielsweise mit einem Bot fachlich geleitete Dialoge führen (z. B. über Berufe im Mittelalter), Rückfragen stellen, Begriffe klären, Positionen abwägen und Argumente formulieren. Damit wird Sprache nicht ausgelagert, sondern aktiv genutzt: Lesen, Schreiben und Sprechen werden in authentischen, motivierenden Kontexten trainiert.
Zudem können die KI-Dienste Schreibprozesse prozessbezogen unterstützen, ohne die Eigenleistung zu ersetzen: etwa durch Ideenfindung mit Kriterien, das Formulieren von Gliederungen, das Erkennen von Textlücken, das Erstellen von Überarbeitungsaufträgen (z. B. „markiere unklare Stellen“), oder durch gezieltes Feedback zu Verständlichkeit. Das stärkt genau die rekursiv-iterativen Schritte des Schreibens (Planung–Entwurf–Revision), die auch im Bericht als zentral beschrieben werden.
Kurz: Es geht nicht um ein „KI ja/nein“, sondern um ein „wofür, wann und wie“. Ein pädagogisch verantworteter Einsatz kann die Methodenvielfalt erweitern und basale Kompetenzen stärken. Es ist eine Ergänzung, nicht ein Ersatz. Ein „sowohl als auch“ ist daher didaktisch plausibler als ein kategorisches „entweder oder“.
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